Sehr geehrter Herr Spiegl,
danke für Ihre Anmerkung. Gerade Ihnen bin ich eine etwas genauere Antwort schuldig, warum meine Handlungsweise nun so konsequent ausfällt.
Es liegt an einer ganzen Serie von schweren Fehlern, die nach meiner Einschätzung dem Hausärzteverband passiert sind. Und diese Fehler setzen sich in der Gegenwart fort, ganz so als hätte man nichts dazu gelernt. Schon immer kritisierte ich die schlechte Informationspolitik des Hausärzteverbandes. Die Homepage ist auch heute noch so nichtssagend wie 'vor Nürnberg' und Mitglieder erhalten keinerlei Chance, sich irgendwo zu äußern und sich auszutauschen. Ideal wäre ein Forum unter der Moderation des Hausärzteverbandes und nur für Mitglieder des Hausärzteverbandes, wobei anonyme Postings unmöglich sein sollten, um 'Blödsinn' zu vermeiden. So oft habe ich dies schon angeregt, aber offenbar fürchtet man einen offenen Meinungsaustausch. Statt dessen wird - so mein Eindruck - weiterhin eine 'Geheimpolitik' gemacht; der Interimsvertrag ist bis heute (2.4.) immer noch nicht veröffentlicht, obwohl wir Hausärzte die HzV- Abrechnung nun auf dieser Grundlage machen müssen: Das ist völlig inakzeptabel!!!!!!
auch ich bin von der Situation alles andere als begeistert. Aus meiner Sicht ist immer noch nicht verständlich, wie die Führung des BHÄV die Stimmung an der Basis dermaßen falsch einschätzen konnte. Allerdings muss man doch auch festhalten, dass es ohne die Tatkraft eines Hoppenthaller und der Führung des BHÄV überhaupt keine Hausarztverträge gegeben hätte. Was die Leute für uns Hausärzte auf die Beine gestellt haben,verdient dennoch Respekt!
Ja, das sehe ich genauso. Ergänzen sollten Sie aber vielleicht noch, dass nun alles wieder sehr leichtfertig verzockt worden ist. Von Anfang an war ich äußerst skeptisch. Ziemlich alleine habe ich öffentlich meine Bedenken offen geäußert - und auch dafür einige Prügel bezogen. (Die folgenden Zitate
(in roter Farbe) beziehen sich hauptsächlich auf meine Postings im Hippokranet-Forum.)
07.11(!!!!!).2010 12:12:17 Uhr:
Ich bin äußerst skeptisch und ich fürchte sehr, dass dies misslingen wird!! Ich fürchte weiterhin, dass sich damit Herr Hoppenthaller selbst abschießen und dann der Hausärzteverband 'führerlos' und bedeutungslos vor sich hindümpeln wird. Ich fürchte, wir werden ein grandioses Eigentor schießen!!
08.11.2010 20:04:56
Dennoch: Das Fax des bayerischen Hausärzteverbandes vom 8.11. klärt bei weitem nicht über alle Unsicherheiten und Risiken auf; es verniedlicht die Situation, redet ernsthafte Probleme klein und läßt viele Fragen offen. Wenn dann von anderer Seite auch noch Kolleg(inn)en, die ihre berechtigten Sorgen zum Ausdruck bringen, gleich als unbedarfte Hasenfüße und berufspolitische Ignoranten verunglimpft werden, dann werden diese Kollegen in der momentanen Diskussion eben ihren Mund halten. Und das Erstaunen wird wieder groß sein, dass das Abstimmungsergebnis im Januar nicht so ist, wie die Stimmungslage auf den Versammlungen oder in diesem Forum. Es ist recht einfach, in Foren wie diesem die alten Kampfparolen immer und immer wieder im Chor zu wiederholen.
....
Meine Bitte an den Hausärzteverband: Bitte bleiben Sie ehrlich und verharmlosen und beschwichtigen Sie nichts! Klären Sie bitte auch offen über die Risiken auf! Diese Aktion ist für Aussteiger nach wie vor sehr gefährlich und kann (und wird!) manchen Praxen die Existenz kosten! Diese Gefahren müssen offen und ehrlich diskutiert werden!! 'Hasenfüße' sollten durchaus ermuntert werden, ihre Bedenken zu äußern; erst dies macht die ganze Diskussion ehrlich und glaubwürdig – gerade für Zweifler. Ansonsten bleiben die 'Hasenfüße' ganz einfach stumm und gehen am 26.1. schlicht und einfach nicht zur Abstimmung.
14.11.2010 09:22:14
Beiträge, die die Bedenken der Schweigsamen widerspiegeln, einfach unqualifiziert niederzumachen und diese Kolleg(inn)en als Feiglinge und Personen zu verspotten, die dieser an sich guten Sache "in den Rücken fallen", sind extrem kontraproduktiv. Diese Kolleg(inn)en sagen dann eben ihre Meinung schlicht und einfach nicht mehr --- und gehen nicht zur Abstimmung!
28.11.2010:
lokale Quote
In unserer Dienstgruppe würden 4 von 13 Mitgliedern den Ausstieg bekunden.
In unserem Hausarztkreis Dingolfing-Landau (geschätzte 50 Mitglieder) möchten sich 8 Kollegen am Ausstieg beteiligen (einschließlich der oben genannten 4).
(Zur Quotenberechnung sehen Sie bitte die Fußnote)
Sie sehen also, Sehr geehrter Herr Spiegl,
dass es sich schon von Anfang an schon zumindest deutlich zeigte, dass der Ausstieg ein Mißerfolg werden könnte. Von unserem Hausarztkreis hier in Dingolfing sind dann - soweit ich informiert bin - nur ganze zwei Kollegen tatsächlich zum Ausstieg bereit gewesen und haben unterschrieben. Gerade einige 'Wortführer für den Ausstieg' haben ganz zum Schluß noch 'den Schwanz eingezogen'. Da denke ich ist es schon deutlich aufrichtiger und mutiger, von Anfang an seine Bedenken zur Diskussion zu stellen. Auch im Landkreis Rottal-Inn fanden sich nur ganz vereinzelt Kollegen, die zum Ausstieg bereit waren. So etwas hätte dem Hausärzteverband doch sicher zu Ohren kommen müssen - und sind ihm auch zu Ohren gekommen, das weiß ich!
Der Hausarztverband hätte diese Stimmungslage von Anfang an richtig einschätzen müssen - und auch leicht einschätzen können. Aber man hörte nur auf die - teilweise auch noch feigen - Schreihälse und Stimmungsmacher in öffentlichen Foren und Veranstaltungen. Wobei auch in den Veranstaltungen selbst bereits eine erhebliche Skepsis spürbar war, wenn man nur genau hinhören wollte! Und so denke ich auch, dass der wirklich sehr bewundernswerte brachiale Wille von Herrn Hoppenthaller, der uns Hausärzten in Bayern lange Zeit viele Vorteile brachte, zum Schluß uns allen dann doch zum Verhängnis geworden ist, da er ganz offenbar auch blind und taub machte.
Ich war am 9.11.2010 in der allerersten Veranstaltung von Herrn Hoppenthaller in Ergolding bei Landshut. Schließlich war erst seit wenigen Tagen bekannt geworden, dass eine regelrechte Revolution geplant war und ein neues Zeitalter eingeläutet werden sollte. Auch ich war wirklich begeistert an diesem Abend, es hat mir aber trotzdem sehr zu denken gegeben, dass trotz dieser epochalen Pläne doch relativ wenig Kolleg(inn)en anwesend waren, schließlich handelte es sich ja immerhin um eine Veranstaltung für einen sehr großen Teil der niederbayerischen Ärzte. Der Raum in dem Gasthaus war zwar brechend voll - aber so wahnsinnig groß waren die Räumlichkeiten ja auch nicht, so dass mich die absolute Teilnehmerzahl in Anbetracht der Dimension des Vorhabens eigentlich ein wenig enttäuschte. Und natürlich war die deutlich zu fühlende Skepsis sehr groß - verständlich bei dem beabsichtigten 'revolutionären' Schritt - , aber ich hatte das Gefühl, dass zweifelnde Fragen am Ende dieses Vortrages sehr kurz angebunden, ja fast beleidigt und insgesamt unbefriedigend beantwortet wurden. Reale Ängste wurden ignoriert und die Bedenkenträger verunglimpft. Viele Fragen und Ängste wurden schlicht ignoriert und blieben unbeantwortet.
04.12.2010 19:25:57
Kriegs-Szenario (1. Februar bis 31. August 2011)
Liebe Kolleginnen und Kollegen außerhalb Bayerns,Liebe Fachärzte,
aus sicherer Entfernung geben Sie Ratschläge und feuern uns an, gelegentlich wohlwollend und streckenweise leider auch mit sehr weltfremden Parolen; blutige Nasen holen sich ja allerhöchstens die anderen. Und wenn dann einer der Gladiatoren in der Arena nicht sofort blind losläuft und ein wenig überlegt, dann senkt der Mainstream auf der bequemen Besuchertribüne den blauen Daumen. Tolle Leistung!!
Sie alle, verehrtes Publikum, sind ja so sicher, dass es klappt mit unserem Ausstieg hier in Bayern, wenn 60% bei uns mitmachen. Die vom Hausärzteverband geforderten 60% sind aber nur ca. 35% der Hausärzte! Und da gibt es dann auch noch gewaltige regionale Unterschiede. Dort wo alle Kollegen geschlossen mitmachen, mag die Vorausplanung des Hausärzteverbandes ja aufgehen. Aber auch in diesen Gebieten gibt es Randbezirke. Und es gibt Gegenden, da sind die Aussteiger in der Minderheit. Bei sich sicher noch verhärtenden Fronten - und jetzt ist ja erstmal nur die erste und noch moderate Gegenreaktion der AOK erfolgt – wird der Wind noch viel viel eisiger wehen! Und gerade in den Gebieten, in denen die Nichtaussteiger in der Überzahl sind, werden die Krankenkassen vielleicht den Hebel ansetzen. Stellen Sie sich nur 'mal folgendes Szenario vor: Der Ausstieg gelingt und die Krankenkassen teilen ihren Versicherten öffentlich und werbewirksam mit, welche Ärzte noch Vertragsärzte sind. Können Sie sich vorstellen, was passiert, wenn den Patienten von den Kassen auch nur angedeutet wird, dass sie ihre Arztrechnungen vielleicht(!) nicht mehr bezahlt bekommen? Nicht wenige Patienten, insbesondere viele junge 'Scheinverdünner' ohne feste Arztbindung werden versuchen, einen Arzt zu wählen, von dem sie wissen, dass sie nicht auf den Arztkosten sitzen bleiben. In Gebieten, in denen die meisten Kollegen geschlossen aussteigen, wird das möglicherweise wirklich kein Problem für die 'Ausstiegsbewegung' sein. Aber in den "Mischgebieten"? Genau hier werden die Kassen den Hebel ansetzen. Da gibt's dann sehr schnell die ersten Bauernopfer, sprich Praxen, die ganz einfach pleite gehen! Und dann werden sich schnell andere Kollegen fragen, deren Umsätze ebenfalls gefährlich zurückgehen, ob dieses Praxissterben vielleicht auch auf sie übergreift. Und dann könnte in diesem Umfeld der allgemeinen Angst und Verunsicherung die Krankenkasse ja in einigen Gebieten, in denen die Versorgung wirklich gefährdet ist, einigen größeren 'Versorger'-Praxen ja lukrative 'Heimkehrerangebote' machen. Vielleicht konstruieren ja auch Staatsanwälte dieses 'rechtswidrige' Verhalten als schweren Straftatbestand und die Gerichte fangen an, die ersten Kollegen gnadenlos mit hohen Geldstrafen abzuurteilen....
Den aktuellsten Angaben (Stand: Oktober 2008) der OECD nach, lag der jährliche Behandlungsfall pro Bürger in den Jahren 2005/06 zwischen 2,8 in Schweden und 13,7 in Japan. Ein Report der Gmünder Ersatzkasse (GEK) hat nun gezeigt, dass im Vergleich zu den vergangenen Jahren die Zahl der Arzt Besuche pro Kopf von 16 Mal jährlich auf fast 18 Mal anstieg. Vielleicht wollen die Kassen ja auch den Ausstieg eines Teils der Kassenärzte!! Deutlich seltenere Arztkontakte z.B. durch eine 'Eintrittsgebühr' in den Arztpraxen, die weite Öffnung der Krankenhäuser für die ambulante Versorgung, die Stärkung medizinischer Versorgungszentren, jederzeitiger Zugang zu Fachärzten, Agnes für den Hausbesuch, einige reumütige 'Ex-Aussteiger' – und schon könnte die Versorgung hier in Bayern – auch ohne tschechische Kollegen – wieder so weit funktionieren, dass zumindest die Kassen hoch zufrieden sind: Die ambulante Versorgung wird billiger - und 'Schuld' sind auch noch die Ärzte - und Versorgungszentren werden gestärkt. Klar, das ist nur ein Szenario; aber auch der geplante Verlauf des Hausärzteverbandes ist nur ein Szenario.
14.11.2010 09:22:14
..Hier geht es nicht darum, bei einer Fehlentscheidung 'mal 100.000,- oder 200.000,- Euro zu verlieren. Die Dimensionen sind ganz andere(!!!): Hier geht es um nichts weniger als um die berufliche Existenz!
03.12.2010 18:10:16
... Dieser Hausarztverband müßte dann aber die Realitäten richtig einschätzen können: Denn für Kampfmaßnahmen, wie man sie sonst von Gewerkschaften kennt, wären die bayerischen Hausärzte jederzeit bereit. Dies sah man an der letzten Praxis-Schließungs-Aktion.
Nicht aber für wirtschaftlichen Suizid.
Und es kam noch schlimmer als in diesem 'Szenario' dargestellt: Die mühsam erkämpften HzV-Verträge, die noch das ganze Jahr 2011 hätten unverändert laufen können wurden fristlos (und wie wir mittlerweile von den Gerichten wissen: rechtmäßig) gekündigt. Man hätte das ganze Jahr 2011 nutzen können, um sich zu positionieren, die Lage zu analysieren und wirksame und intelligente Strategien zum Wohle der Hausärzte zu entwickeln. Statt dessen wurde mit einer unglaublichen und blinden "Augen-zu-und-durch-Politik" der Show-Down in Nürnberg "durchgezogen": kritische Stimmen unerwünscht, Gegenstimmen Blasphemie!
Aber nun weiter zu Ihrem Beitrag, sehr geehrter Herr Spiegl.
Es spielt doch den Kassen in die Hände, wenn wir mit Austritten aus dem BHÄV unsere Interessenvertretung zerstören und damit keinen Verhandlungspartner für die Kassen mehr haben! Wollen sie zukünftig wirklich nur noch die KV als Verhandlungspartner gegenüber den Kassen ohne Alternative/Konkurrenz? Wenn jetzt zu viele Ihrem Beispiel folgen würden, hätte der BHÄV jedenfalls kein Verhandlungsmandat mehr - ist das wirklich in Ihrem Sinne?
Damit haben Sie natürlich Recht, aber es ist trotzdem irgendwann ein Punkt erreicht, an dem man nicht mehr folgen kann. Die zu Beginn dieses Schreibens angemerkte 'Geheimdiplomatie' kann ich einfach nicht akzeptieren. Und ehrlich gesagt habe auch ich lange Zeit - auch vor meinen Patienten - vertreten, dass wir Hausärzte eine völlig andere vertragliche 'Geschäftsgrundlage' brauchen, damit eine Niederlassung gerade auch für junge Kolleginnen und Kollegen wieder interessant wäre und überhaupt erst wieder möglich wird. Wirtschaftliche Planbarkeit vor dem Hintergrund der Kassenwillkür war das Zauberwort, von dem auch ich völlig überzeugt war. Und nun reibe ich mir die Augen, weil es sich herausstellt, dass das Vertragswerk der KV im Rahmen des Sozialgesetzbuches trotz allem Ärgernis immer noch viel planbarer ist als die jederzeit kündbaren Verträge nach dem bürgerlichen Gesetzbuch!!!! Vergessen Sie aber auch bitte nicht, dass wir auf der Grundlage des Sozialgesetzbuches an unseren leider nun schon teilweise recht klein gewordenen Futtertrögen sitzen, um die aber ein recht wirksamer Zaun sich befindet und uns vor Konkurrenz schützt. Konkurrenz, mit der jeder Handwerker innerhalb des bürgerlichen Gesetzbuches leben und sich behaupten muß. Natürlich unterstütze ich einen Verband, der meine Interessen auch wirklich vertritt; aber ich denke, man muß jetzt wieder ernsthaft und ganz offen(!!) diskutieren, wo die Interessen eigentlich sind. Sicher nicht in Hausarztverträgen, die finanziell keinerlei Vorteile bringen, nicht durchüberlegt sind und die massive organisatorische Probleme in den Praxen machen.
Den Schlußsatz des letzten Rundfaxes vom 29.3.2011 muß man sich 'mal auf der Zunge zergehen lassen:
"Über weitere Einzelheiten der Fortführung der HzV-Verträge mit den LKK und die Interimsvereinbarung mit den BKK informieren wir Sie noch gesondert."
Da müssen wir Ärzte nun an diesem Wochenende entscheiden, nach welchem Modus wir abrechnen sollen; das Sonderkündigungsrecht wird in diesem Fax erstmal gar nicht erwähnt und die Einzelheiten des Vertrages, obwohl ja bereits genau bekannt, da der Vertrag ja angeblich vor 2 Tagen bereits (31.3.) unterzeichnet worden sein soll, wird nicht öffentlich gemacht und ganz offensichtlich geheim gehalten!! Auch ganz aktuell (2. April 2011 ; 11:15 Uhr) sind auf der Homepage des bayerischen Hausärzteverbandes keinerlei weiterführenden Informationen zu erhalten!! Wer nun per HzV abrechnet akzeptiert ja dann wohl Bedingungen, die noch überhaupt nicht öffentlich sind und kein 'Außenstehender' offenbar wirklich kennt!!! Jetzt sollen wir Ärzte aber unsere Entscheidung treffen - ohne verläßliche Information! Unglaublich!!
Aber damit nicht genug:
Es wurden uns ja von den Kassen die Listen vorenthalten, aus denen wir ersehen können, welche Patienten überhaupt eingeschrieben sind!! Wie sollen wir da eine gültige Abrechnung machen??
Auch ist noch überhaupt nicht klar, wohin die CD's zu schicken sind, da Datenschutzbestimmungen noch zu klären sind!! Das muß man sich 'mal vorstellen: Heute, am 2.4. - wir sollten dieses Wochenende unsere Abrechnung fertig machen!!
Und noch abschließend zum Geld: Deckelung 70,- Euro!! Hört sich prima an!! Aber wer soll denn diese 70,- Euro erreichen, und wie?? Der BKK-Vertrag sieht nur in ausgesuchten Fällen (eher willkürliche) Diagnosen vor, zu denen die Chronikerziffer 'passt'. Dann bleibt nur die Grundziffer!! Und kontaktunaubhängige Pauschalen sollen auch noch wegfallen. Ich kann's nicht genau nachrechnen, aber ich glaube, über die KV bekommt man mehr Geld.
Und unabhängig von der aktuellen Situation:
Mir gefällt es nicht, dass der Hausärzteverband massiv die direkte EDV-Anbindung an die Kassen vorantreibt und so die Infrastruktur schafft für eine spätere ständige 'online-Anbindung' unserer Praxis-Rechner an die Server der Krankenkassen.
Auch gefällt es mir nicht, dass der Hausärzteverband große Gemeinschaftspraxen (=Ärztezentren)fördern möchte. Diese Großpraxen treten dann mit enormen Wettbewerbsvorteilen gegen die dezentralen Landpraxen auf; wir "Tante-Emma-Läden" am Land - und da habe ich meine Praxis - verschwinden. Und da ist es mir völlig egal, wer diese Großpraxen bzw. Gesundheitszentren führt: ein Kollegium von Ärzten oder eine amerikanische Aktiengesellschaft: Der Effekt für meine Praxis und für meine Patienten, die weitab der Stadt wohnen ist derselbe!!
Aber auch hier findet keinerlei offene Diskussion unter den Mitgliedern des Hausärzteverbandes statt!
Und in der Liste der niederbayerischen Delegierten des Hausärzteverbandes findet man Namen, die vor 15 Jahren eifrige Prüfärzte der KV waren und bekanntermaßen eigene Kolleginnen und Kollegen gnadenlos in die Pfanne gehauen haben! Und seit der KV-Vorstandswahl haben die nun teilweise sogar schon wieder ihre Pöstchen in der KV!! Einen Kommentar dazu erspare ich mir nun lieber!
Auch wenn ich Ihren Ärger wirklich verstehe, halte ich den Austritt aus dem BHÄV für eine - Entschuldigung, sie wissen, dass ich sie sehr schätze - destruktive Kurzschlussreaktion, die uns Hausärzte in Bayern schwächt und nichts bringt (mit Ausnahme des ersparten Mitgliedsbeitrags).
Mit diesem Vorwurf muß ich leben. Vielleicht helfen ja einige destruktive Kurzschlußhandlungen dabei, dass der Hausärzteverband wieder eine offene und ehrliche Politik mit Einbindung aller Mitglieder macht.
Viele Grüße aus Reisbach
A. Geigenberger
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Anhang:
(mit 35% beteiligte Ärzte wollte man also diese Aktion durchziehen! Also "Augen -zu-und-durch"! Der "60%-Schwindel" flog natürlich auf und die Ausstiegsangst wurde dadurch natürlich noch größer!)
Berechnung des 'wirklichen' Quorums:
05(!!).12.2010 08:34:23
Quorum von 60% - Berechnung?
Die Berechnung des Quorums für den geplanten Ausstieg ist mir weiterhin unklar. Da diese Zahlen aber schließlich ganz erheblich über die Bereitschaft der bayerischen Hausärzte entscheiden, ob sie aussteigen wollen oder nicht, möchte ich gerne die von mir recherchierten Zahlen hier nochmal zusammenfassen.
Unter der Homepage der kassenärztlichen Vereinigung Bayerns
http://www.kvb.de
finde ich folgende Daten:
Hausärzte: 10880 (darin allerdings Kinderärzte eingeschlossen)
davon:
// Gesamt // in München // in Nürnberg
Allg.Med. // 6410 // 605 // 289
Innere Med // 1792 // 85 // 85
Ärzte // 219 // 5 // 5
Prakt. Ärzte // 1486 // 217 // 68
Summe: // 9907 // 912 // 447
Kinderärzte // 991
Summe: 10898
Es gibt in ganz Bayern ( !!! also München und Nürnberg eingeschlossen !!!)
hausärztlich tätige
Diabetologen: 69
Allergologen: 144
Psychologen: 394
Schmerztherapeuten: 12
Summe: 619
Bei großzügiger Rechnung (also auch ausschließlich der fachbezogen tätigen Hausärzte – und diese arbeiten, wie in unserer Gegend, noch sehr wohl als 'Basisversorger und Hausärzte!!!) ergeben sich folgende Zahlen:
9907 – 912 – 447 – 619 = 7929 (in irgendeiner Weise werden dann auch noch nur die im HZV organisierten Ärzte mit einberechnet – wie und warum bleibt mir ein Rätsel vielleicht weiß das ja jemand hier)
Die Ausstiegsgrenze liegt laut Veröffentlichungen in der Ärzte-Zeitung bei 3813 Ärzten. Zunächst ergibt das nun einmal
eine Quote von 3813 / 10880 = 35,04%