Ohne auf die konkreten Umstände einzugehen:
Turbomed arbeitet mit der Datenbank FastObjects (Poet).
Gutes Produkt, gute Doku, aber jegliche Entwickler- oder Servicetools hinter eine stabilen Mauer des aktuellen Eigentümers.
Stellt Euch vor, beim TM-Update geht die Datenbank kaputt.
Die Gigabytes an Datenbank sind da, aber TM startet nicht mehr - weil der FOS14 die Datenbank für kaputt hält.
Jetzt wollt Ihr die Datenbank aus dem Backup zurückspielen und stellt fest, dass der USB-Stick bei 20% einen Lesefehler hat.
"Ach prima, wir haben haben ja noch die Serversicherung vom Freitag."
Dumm nur, dass der Backup-Job seit zwei Monaten nicht mehr gelaufen ist, weil der Virenscanner eingegriffen hat wegen einer verdächtigen Datei.
"Wer hat die externe Platte von letzter Woche? Herbringen!"
Und dann steckt man das externe USB-Gehäuse "am Verbindungskabel hängend" an den PC, die alte HDD fängt an zu drehen, und dann rutscht das Kabel raus, die Platte fällt auf den Boden und sagt beim nächsten Anschließen nur noch "klick klick klick".
Worst Case? Ja.
Wenn sowas in der Mitte des Quartals passiert, sind 6 Wochen samt eingelesener Karten usw. verloren. Die Folgen sind mehrschichtig, muss ich nicht ausführen.
Warum Worst Case?
Nun, TM-Support wird sich die Installation anschauen. Man wird die Fehlermeldung betrachten und intern Rücksprache halten. Anschließend erfolgt der hilfreiche Tipp, die letzte Sicherung wieder einzuspielen. Mehr könne man nicht tun. Ja okay, die Antwort ist verständlich - mehr macht ein Second-Level-Supporter trotz aller Fähigkeit nicht. Da gibt es auch intern Grenzen der Zuständigkeit.
Also fragt man freundlich und gezielt nach dem potenziellen Rettungsanker, dem Tool "PTADMIN". Das ist die herstellerseitige Anwendung zur Diagnose und Reparatur dieses Datenbanktyps. Die Anwendung ist Teil des Entwicklerpakets für FastObjects und sollte CGM als Vertragspartner des Herstellers des Datenbanksystems zur Verfügung stehen. Auch hier gibt´s leider keine hilfreiche Reaktion. Kann ich in Grenzen nachvollziehen, weil CGM nicht einfach die Werkzeuge des Herstellers rausgeben kann.
Kurz: An diesem Punkt steht man mit dem Rücken zur Wand.
Also: Macht Backups. Prüft Backups. Nutzt mehrere Datenträger rotierend. Lagert Backups außerhalb (Verschlüsselung nicht vergessen!). Vor jedem Update: Backup machen. Der Spruch steht da nicht zum Spaß im ersten Fenster des TM-Updates.
Wie könnte es weitergehen?
1) Zunächst kann man sich fragen, ob die fehlende Verfügbarkeit von Recovery-Tools ein Risiko darstellt. Ob es ein erhöhtes Risiko darstellt, ein PVS mit einer herstellerseitig zugenagelten Datenbank-Architektur zu nutzen. Tipp: Mit Backup nicht wirklich. Aber ein ungutes Gefühl könnte man haben.
Hilft jetzt aber nicht weiter, ist was Grundsätzliches
2) Datenrettungsfirma: Auch die haben bei solch "exotischen" Dingen wie FastObjects ihre Mühen. Es ist nicht ausgeschlossen, dass die was retten können. Ich weiß, wozu diese Zauberer fähig sind. Allerdings weiß ich auch, dass die ihren berechtigten Tarif haben.
3) Support des Datenbankherstellers: Derzeit ist die HCL-Gruppe Eigentümer von Actian, bei denen z.B. NoSQL/FastObjects/Poet inzwischen liegen, seit sie Versant aufgekauft haben. Zu Actian gehört auch die Zen-Database, ebenfalls eine Geschmacksrichtung von SQL. Guter Laden.
-> Aktuell versuche ich, bei denen in einem ähnlich gelagterten Fall Hilfe zu bekommen. Sei es durch Bereitstellung des SDK mit dem PTADMIN drin (was sogar als Trial möglich ist, wenn man zahlender Kunde werden möchte - geht aber über den Vertrieb mit allem drum und dran), sei es durch kostenpflichtigen Support per Fernwartung etc.
4) Reverse Engineering, ggfs. zusammen mit Spezialisten aus der Branche.
Aufwendig, aufreibend, zeitintensiv... und am Ende hat man dann die Turbomed-Datenbank komplett "aufgemacht". Das würde dann ganz andere Dinge möglich machen. Gar nicht auszudenken, welche Statistikfunktionen möglich wären. Oder ein Vollexport. Nein, das WILL ich nicht machen, und das mache ich nicht.
Und dabei habe ich noch nicht einmal überlegt, wie das rechtlich zu sehen ist.
-> Man könnte natürlich argumentieren, dass TM einem nicht hilft, die teils im Klartext lesbare Datenbankdatei zu retten, die Daten aber dem Kunden gehören (wobei... da sind ja nicht nur die Praxisdaten drin?) und er Zugriff haben soll.
Wie auch immer: MACHT BACKUPS!
Macht Eure Datensicherung. Bei DB-Fehlern kann (will?!) CGM auch nicht helfen
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